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Fit for 55: Stahlrecyclingbranche lehnt CO2-Freifahrtschein der EU für energieintensive Stahlindustrie ab

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Autor: Redaktion

Fit for 55: Stahlrecyclingbranche lehnt CO2-Freifahrtschein der EU für energieintensive Stahlindustrie ab

16.07.2021. Die BDSV – Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e. V. kritisiert die innerhalb des „Fit for 55“-Klimapakets der EU-Kommission vorgesehene Verlängerung der kostenlosen CO2-Rechte für die Stahlindustrie um weitere zehn Jahre bis 2035 scharf. BDSV-Hauptgeschäftsführer Thomas Junker: „Der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Schlüsselindustrien ist ein Totschlagargument: Unsere Branche bietet bereits seit Langem – mit hochwertigem recycelten Stahlschrott als Rohstoff – eine reale ressourcen- und klimaschonende Alternative für die Stahlindustrie. Wenn wir bis 2050 in Deutschland und der EU wirklich klimaneutral wirtschaften wollen, brauchen wir keine weiteren CO2-Freifahrtscheine für die Stahlindustrie, sondern Anreize für Unternehmen, verstärkt Sekundärrohstoffe einzusetzen und Investitionen in Zukunftstechnologien der Kreislaufwirtschaft zu tätigen. Denn grüner Stahl wird aus Schrott gemacht.“

Fit for 55

Der Name „Fit for 55“ bezieht sich auf die geplante Einsparung von mindestens 55 % des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 1990 in der EU bis 2030 (bislang sind Einsparungen von 40 % bis 2030 vorgesehen). Das umfassende Klimapaket, das aus zwölf Einzelgesetzen besteht, soll heute von EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans vorgestellt werden. Allerdings bleibt der mögliche Beitrag der Kreislaufwirtschaft zum Erreichen der Klimaziele aus Sicht der BDSV weiterhin deutlich hinter den vorhandenen Potenzialen zurück.

Verstärkter Einsatz des zum Sekundärrohstoff aufbereiteten Stahlschrotts

Neben den kostenintensiven Technologiesprüngen der Stahlbranche zur Dekarbonisierung kann vor allem der verstärkte Einsatz des zum Sekundärrohstoff aufbereiteten Stahlschrotts eine technisch ausgereifte und mit vergleichsweise geringen Investitionen umsetzbare Maßnahme für den Kilmaschutz darstellen.

Wie hoch der Anteil von recyceltem Stahlschrott in der heutigen Stahlfertigung ist, hängt maßgeblich vom Produktionserfahrung ab. Während in der Oxygenstahlroute, die durch den Weg vom Eisenerz zum Stahl gekennzeichnet ist, nur wenig Stahlschrott eingesetzt wird, ist im Elektrostahlverfahren der ausschließliche Einsatz von Stahlschrott zur Herstellung neuen Stahls möglich. Folglich wäre mit dem zuletzt genannten Verfahren ein nahezu vollständig geschlossener Rohstoffkreislauf erreichbar, welcher auch positive Effekte auf die Klimabilanz Deutschlands und Europas hätte. Aber auch bei der Oxygenstahlroute sind noch deutliche Steigerungen des Schrotteinsatzes möglich, zumal Europa Netto-Stahlschrott-Exporteur ist und das weltweite Stahlschrottaufkommen bis 2050 noch um 70 % zunehmen wird. Die Erhöhung des Stahlschrotteinsatzes ist also durchaus möglich und klimaschutzpolitisch geboten.

CO2-Rechner

Wussten Sie, dass der Einsatz von 100 t Stahlschrott 167 t CO2 sowie Klima- und Umweltkosten in Höhe von 35.571 € einspart? Mehr dazu finden Sie auf dem CO2-Rechner  auf www.bdsv.org  und in der Studie Schrottbonus. Die Stahlrecyclingbranche in Deutschland beliefert Stahlwerke und Gießereien jedes Jahr mit mehr als 20 Mio. t recyceltem Stahlschrott und ist damit ein Schwergewicht der Kreislaufwirtschaft.

 

(Quelle: BDSV)

 

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