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DIW: Deutsche Wirtschaft weiter mit viel Gegenwind

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Autor: Magnus Schwarz

DIW: Deutsche Wirtschaft weiter mit viel Gegenwind
Die deutsche Wirtschaft bewegt sich auf rauer See (Quelle: Unsplash)

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist im Juli auf 71,8 Punkte eingebrochen. Es liegt damit für das dritte Quartal weit unter der 100-Punkte-Schwelle, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigen würde. Zum Vergleich: Für das zweite Quartal lag der Indexstand zuletzt noch bei über 90 Punkten.

Weiterhin bremst vor allem die Energiekrise mit bleibenden Sorgen um Gasknappheit und noch höhere Energiepreise die deutsche Wirtschaft aus. Zudem entspannen sich die Probleme bei den globalen Lieferketten nur schleppend; der Krieg in der Ukraine und die chinesische Coronakrise haben anders als im Winter erhofft zu weiteren Engpässen geführt. Diese Faktoren belasten auch die Weltwirtschaft und führen teilweise zu enormen Inflationsraten. Dies dämpft die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. So war die deutsche Handelsbilanz im Zuge schwacher Ausfuhren und explodierender Importpreise für Energie im Mai erstmals seit langem negativ.

„Das exportorientierte und energieintensive deutsche Wachstumsmodell kommt momentan an seine Grenzen“, sagt DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi. „Gegenüber den Vormonaten hat der Barometerwert noch einmal deutlich nachgegeben und deutet für das dritte Quartal dieses Jahres darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft schrumpfen wird.“

Anhaltender Pessimismus

Unter der schwächelnden Weltkonjunktur leidet vor allem die deutsche Industrie. Die Probleme der Vormonate bleiben bestehen – die Auftragslage ist angespannt und der noch hohe Auftragsbestand kann wegen der gestörten Lieferketten und des daraus folgenden Mangels an Vorprodukten nur schleppend abgearbeitet werden. In den kommenden Monaten könnten noch weitere Schwierigkeiten dazukommen.

„Die deutsche Industrie blickt sorgenvoll in die Zukunft,“ sagt Laura Pagenhardt, DIW-Konjunkturexpertin. „Neben dem anhaltenden Materialmangel führt nun auch der nahende Winter und die potenziell eingeschränkte Gasversorgung zu Planungsunsicherheit für die Güterproduktion.“

Und auch bei den Dienstleistungen ist die Stimmung gedämpft, denn die Erholung der vergangenen Monate kommt allmählich zum Erliegen. Die Haushalte haben wegen der hohen Inflation eine deutlich geringere Kaufkraft und sind besorgt über die weitere Entwicklung der Energiekrise. Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich wohl in den kommenden Monaten eintrüben, auch wenn Fachkräfte vielerorts immer noch händeringend gesucht werden.

„Nach einem schwachen ersten Halbjahr startet die deutsche Wirtschaft auch in das dritte Quartal bereits mit viel Gegenwind. Das Rezessionsrisiko ist deutlich gestiegen“, so Baldi.