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Großanlagenbau: starkes Auftragswachstum für 2021

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Autor: Lucas Möllers

Großanlagenbau: starkes Auftragswachstum für 2021
Hohe Exportquote ist Triebfeder des Aufschwungs (Quelle: Unsplash)

Die von den Mitgliedern der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) verbuchten Auftragseingänge für 2021 lagen mit 21,2 Milliarden Euro um 78 Prozent über dem Vorjahresniveau (2020: 11,9 Milliarden Euro). Triebfeder dieses Aufschwungs war das Auslandsgeschäft mit einer Exportquote von 85 Prozent. Groß- und Megaaufträge aus Schwellenländern sorgten für eine hohe Kapazitätsauslastung und lösten eine steigende Nachfrage nach Fachkräften aus. Gleichzeitig stiegen auch die Bestellungen für hochmoderne Industrieanlagen, die eine nachhaltige Produktion ermöglichen sowie für Services, die im vergangenen Jahr für 30 Prozent der Umsätze im Großanlagenbau verantwortlich waren.

„Es hat sich ausgezahlt, dass die Mitglieder der AGAB das erste Jahr der Pandemie dafür genutzt haben, ihre Unternehmensprozesse noch stärker zu digitalisieren, neue Geschäftsfelder zu erschließen und das Angebot von Produkten für den Klimaschutz auszubauen. Die Unternehmen sind dadurch international deutlich wettbewerbsfähiger geworden und gehen gestärkt aus der Coronakrise hervor“, ordnete Jürgen Nowicki, Sprecher der AGAB und CEO von Linde Engineering, die Markterfolge des vergangenen Jahres ein.

2021: Auslandsgeschäft dank Großaufträgen im Höhenflug

Im Inland lagen die Bestellungen 2021 – wie schon im Vorjahr – bei 3,2 Milliarden Euro. Dabei sank die Nachfrage nach Kraftwerken auf den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Nowicki: „Der bevorstehende Atomausstieg, das absehbare Ende der Kohleverstromung und Unsicherheiten über die Zukunft des Energieträgers Erdgas sind wesentliche Gründe für die aktuelle Investitionszurückhaltung im Bereich der thermischen Energieerzeugung.“

Im Auslandsgeschäft kam es 2021 zu einer außergewöhnlich kräftigen Belebung. Die Auftragseingänge stiegen um 108 Prozent auf 18,0 Milliarden Euro (2020: 8,6 Milliarden Euro). Das größte Wachstum verzeichneten die Länder Osteuropas, auch die Bestellungen aus Ostasien und dem Nahen und Mittleren Osten legten kräftig zu. Ein Großteil der Auslands-Bestellungen geht auf Großaufträge im Wert von über 25 Millionen Euro zurück. Im Berichtszeitraum gab es 125 solcher Projekte im Gesamtwert von 13,7 Milliarden Euro (2020: 70 Großprojekte mit 5,5 Milliarden Euro). Einige dieser Aufträge sind auf Vorhaben zurückzuführen, die ursprünglich für 2020 geplant waren, aufgrund der Pandemie aber ins Folgejahr verschoben werden mussten.

2022: Steigende Unsicherheit aufgrund des Ukrainekrieges

Die meisten Mitglieder der AGAB waren im Januar noch sehr zuversichtlich und gingen von steigenden Auftragseingängen im laufenden Jahr aus. Die durch den Angriff Russlands auf die Ukraine eingetretene weltpolitische Zäsur und die auch vom Großanlagenbau unterstützten nationalen und internationalen Sanktionspakete könnten nun aber dazu führen, dass sich die Prognose vom Jahresanfang als zu optimistisch erweist.

Nowicki: „Momentan berichten rund drei Viertel aller Großanlagenbauer von Unterbrechungen bei laufenden Projekten in Russland und der Ukraine sowie vom Ausfall wichtiger Lieferanten aus der Region. Das dämpft unsere Erwartungen in Bezug auf den Auftragseingang bis Ende 2023.“

EU muss Wettbewerbschancen der europäischen Unternehmen wahren

Eine große Herausforderung für die Branche bleibt die hohe Veränderungsgeschwindigkeit der Weltwirtschaft. Dem steigenden Wettbewerb mit Asien und dem gewaltigen Finanzierungsbedarf für die Klimatransformation steht eine zu langsame Justierung und Weiterentwicklung der Regelwerke für die Export- und Projektfinanzierung gegenüber. Der VDMA-Großanlagenbau unterstützt deshalb die Bundesregierung und die EU in ihren Bemühungen um eine grundlegende Reform des OECD-Konsensus und der Schaffung eines Level Playing Field auf den Weltmärkten.

AGAB-Sprecher Nowicki erläutert: „Die Deckungsanforderungen des deutschen „Hermesinstrumentarium“ müssen für unsere oft langwierigen Projekte handhabbar und vorhersehbar bleiben. Dann können sie grade bei der gemeinsamen Aufgabe der Transformation zu einer ressourcenschonenden Produktion eine tragende Rolle spielen.“

Großanlagenbau ist Ermöglicher der Mobilitäts- und Energiewende

Die Pläne vieler Staaten, den Klimawandel einzudämmen und dafür Technologien zur Einsparung von Energie und Treibhausgasen zu nutzen, werden konkreter.

„Dem VDMA-Großanlagenbau bieten sich dadurch Chancen, neue Anlagen und Verfahren auf den Markt zu bringen und die Kunden zu einer ressourcenschonenden Produktion zu befähigen. Die Branche ist damit einer der Wegbereiter der globalen Energie- und Mobilitätswende und trägt wesentlich zum gesellschaftlichen Ziel einer nachhaltigen Industrieproduktion bei“, betont AGAB-Sprecher Nowicki.

Der Großanlagenbau liefert hierfür auch Gesamtanlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff, der in der Energiewirtschaft der Zukunft eine zentrale Rolle spielen soll.

„Als Voraussetzung für die Etablierung eines solchen nachhaltigen Systems muss die Politik jedoch zuerst verlässliche Rahmenbedingungen schaffen – grade auch im Hinblick auf die nun angestrebte Energie-Souveränität Europas“, mahnt Nowicki rasches Handeln an. „Wir begrüßen daher die Initiativen der Bundesregierung für eine signifikante Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien sowie für den Ausbau dieser Energieformen im Zuge der geplanten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.“

Branche setzt sich eigene Nachhaltigkeitsziele

Die Mitglieder der AGAB unterstützen nicht nur ihre Kunden bei der Dekarbonisierung, sie setzen sich auch eigene Nachhaltigkeitsziele und übernehmen damit Verantwortung für Klima und Umwelt. Die von den Unternehmen formulierten Meilensteine betreffen sowohl die deutschen und internationalen Standorte, die klimaneutral werden sollen, als auch die komplette Lieferkette.

Nowicki: „Da der Zulieferanteil im Großanlagenbau im Durchschnitt aller Projekte über 50 Prozent beträgt, liegt insbesondere in der globalen Supply Chain noch viel Potenzial, um nachhaltiger zu werden. Ansatzpunkte bieten etwa der Einkauf von recycelten Materialien oder der Einsatz umweltfreundlicher Transportmittel und Verpackungen.“